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Lebendige Geschichte: Dreitägige historisch-politische Bildungsfahrt der Otto-Graf-Realschule Leimen ins Elsass

Vom 13.03.2019 bis 15.03.2019 verließen zwei neunte Klassen der Otto-Graf-Realschule Leimen im Rahmen einer mehrtägigen Bildungsfahrt ins Elsass ihre Klassenzimmer, um an geschichtsträchtigen Orten die Ereignisse der wechselvollen deutsch-französischen Geschichte besser nachvollziehen und verstehen zu können.  Themen des Geschichtsunterrichts wie der Erste Weltkrieg und der Nationalsozialismus sowie Themen des Gemeinschaftskundeunterrichts wie die Europäische Union werden für die SchülerInnen so an konkreten Orten gegenständlich und erfahrbar.  Auf dem Programm stand der Besuch der Gedenkstätte nationalsozialistischen Unrechts KZ Natzweiler-Struthof, der Besuch des Memorial Alsace-Moselle und der Besuch der Kriegsgräberstätte Niederbronn-les-Bains in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Außerdem fuhren die Klassen in die Europastadt Straßburg und nahmen an einer Führung im Europaparlament und einem Vortrag im Lieu d´Europe teil. Den Abschluss der Studienfahrt bildete der Besuch einer Festungsanlage der Maginot-Linie. Schnell wurde den SchülerInnen der pädagogische Mehrwert einer solchen Studienreise bewusst. Das, was im Klassenzimmer nicht stattfinden kann, ist das intensive Erfahren, Erleben und Nachvollziehen von Ereignissen durch die Besichtigung geschichtsträchtiger Orte. So stellte eine Schülerin fest: „Der Besuch der Gedenkstätten hat mich besonders berührt, weil man einen direkten Bezug zu früher bekommt und sich besser vorstellen kann, wie es gewesen ist.“

Denn es macht einen riesen Unterschied, ob man nur ein Bild betrachtet oder mit den eigenen Beinen einen Weg beschreitet, den vor 77 Jahren Häftlinge eines KZs unter unvorstellbarer Pein und mit ständiger Todesangst gegangen sind.  Es macht einen riesen Unterschied Geschichte vor Ort mit Originalschauplätzen zu verbinden und dadurch ansatzweise erfahrbar zu machen, indem Schüler die Enge, die Brutalität, die Willkür, die Hoffnungslosigkeit, aber auch die Solidarität im Ausgeliefertsein erfahren, indem sie sich zum Beispiel zu dritt in einen ursprünglichen Heizungsschacht, der als Kerker genutzt wurde, quetschen und die Enge am eigenen Leib erfahren. Häftlinge waren dort mehrere Tage ohne Wasser, ohne Brot und ohne Toilette eingesperrt.

Es macht einen riesen Unterschied, wenn SchülerInnen bei der Besichtigung einer Kriegsgräberstätte erfahren, dass sie mit einem Schritt über die Gräber vier gefallener Soldaten oder getöteter Zivilisten gehen, die hier ihr ewiges Ruherecht haben. Der Preis des Krieges wird so „gehend“ verstehbar. Die Zahl der Toten bleibt für die SchülerInnen im Schulbuch nur abstrakt und unvorstellbar, durch das Abschreiten und Spüren der Entfernungen erschreckend vorstellbar. Es macht einen riesen Unterschied, wenn SchülerInnen sich zwei Tage intensiv mit Themen des Dritten Reiches beschäftigen und im Anschluss über die Bedeutung Europas bzw. der Europäischen Union nachdenken.  Gebäude wirken, haben eine eigene Atmosphäre. „Als wir mit unserem gerade erworbenen Wissen vor dem EU- Parlament standen, die Fahnen im Wind wehten, die Transparenz des Gebäudes durch die Glas-/ Stahlfassade nicht zu übersehen war und die EU als eine sich entwickelnde Wertegemeinschaft  wahrnehmbar war, lag die Stärke der europäischen Idee mit ihrer ganzen Zuversicht in der Luft“, stellte die begleitende Klassenlehrerin Frau Wilde fest.

 

Bedanken möchten sich alle Beteiligten nicht nur bei den Verantwortlichen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., sondern auch bei der Stiftung „Gedenken und Frieden“, deren großzügige finanzielle Unterstützung die Reise mit ermöglichte. Auch der Servicestelle Friedensbildung Baden-Württemberg gebührt der Dank der Leimener Klassen.